Research in Germany

Wer Professor oder Professorin an einer deutschen Universität werden möchte, sollte die Zeit nach der Promotion nutzen, um die sogenannte „Berufungsfähigkeit“ zu erlangen. Je nach Fach, Forschungsschwerpunkt und wissenschaftlichem Interesse kann diese Qualifizierungsphase nach der Promotion unterschiedlich aussehen.

In einer ersten Postdoc-Phase – in der Regel zwei bis vier Jahre nach der Promotion – werden Forschungs- und gegebenenfalls Lehrerfahrungen an der Hochschule oder einem außeruniversitären Institut, unter Umständen auch in der Industrie, gesammelt. Diese Zeit dient auch der Erstellung eigener Publikationen, der Weiterbildung auf Kongressen und der Ausbildung von Soft Skills. Auch internationale Forschungserfahrungen gehören zur Weiterqualifikation.

Erfahrene Postdoktoranden können dann über eine Habilitation (siehe unten), über eine Juniorprofessur oder mit dem Nachweis weiterer wissenschaftlicher Leistungen – etwa durch eine Leitungsfunktion in einer Nachwuchsgruppe oder in der Industrie – die Voraussetzung zur Berufung auf eine Professur erreichen.

Voraussetzungen für die Berufung auf eine Professur an einer Universität sind:

  • Ein abgeschlossenes Hochschulstudium
  • Pädagogische Eignung
  • Die besondere Befähigung zu wissenschaftlicher Arbeit (üblicherweise Qualitätspromotion)
  • Weitere wissenschaftliche Leistungen

Je nach Fach, Forschungsschwerpunkt und wissenschaftlichem Interesse kann die Qualifizierungsphase für eine Universitätsprofessur in Deutschland unterschiedlichaussehen:

Die Qualifizierung für eine Universitätsprofessur erfolgt in Deutschland meistens durch die Habilitation. Eine Habilitation in klassischer Form umfasst die Erstellung einer Habilitationsschrift und ein Prüfungsverfahren, mit dem die Lehrbefähigung in einem wissenschaftlichen Fach festgestellt wird. Sie kann in der Regel auch kumulativ – das heißt über die Veröffentlichung mehrerer einschlägiger Aufsätze in renommierten Fachzeitschriften – erlangt werden.

Die Juniorprofessur hat sich mittlerweile als Alternative zur Habilitation etabliert. Hier steht die frühe Eigenständigkeit in Forschung und Lehre im Vordergrund. Juniorprofessorinnen und professoren dürfen Promotionen betreuen, haben Lehrverpflichtungen und wirken bei der akademischen Selbstverwaltung mit. Diese Professuren sind befristet, werden evaluiert und haben nur zum Teil eine Tenure-Track-Option. Vor allem in der Mathematik und den Naturwissenschaften, aber auch in den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften sowie in den Sprach- und Kulturwissenschaften sind Juniorprofessuren verbreitet.

Auch mit der Leitung einer eigenen Nachwuchsgruppe können erfahrenere Postdocs ihre Kompetenzen im wissenschaftlichen Management und in der selbstständigen Forschungsarbeit erweitern und sich für einen Ruf auf eine Professur qualifizieren. Sowohl an den Hochschulen als auch an den großen außeruniversitären Forschungsinstitutionen werden exzellente Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler so auf die Übernahme wissenschaftlicher Leitungsfunktionen vorbereitet. Internationale Forschungserfahrungen sind dabei hilfreiche Voraussetzung, wie zum Beispiel für die Leiter der Helmholtz-Nachwuchsgruppen (auf Englisch).

Eine weitere Form der Qualifizierung ist die Tenure-Track-Professur. Ähnlich wie die Junior-Professur ermöglicht sie erfahrenen Postdocs Unabhängigkeit und Selbstständigkeit auf Augenhöhe mit den etablierten Hochschulprofessoren. Nach einem ordentlichen Berufungsverfahren verfügen die befristetet eingestellten Professorinnen und Professoren über ein eigenes Budget und eine angemessene Ausstattung. Nach einer Evaluation erhält die Tenure-Track-Professorin beziehungsweise der Professor eine unbefristete und gegebenenfalls höherwertige Professur. Diese Modelle gibt es bislang allerdings nur an einzelnen Hochschulen. Doch wird eine Ausweitung dieses Wegs angestrebt: Bis 2032 sollen in Deutschland flächendeckend Tenure-Track-Professuren eingeführt werden. Ein Bund-Länder-Programm stellt eine Milliarde Euro für 1.000 zusätzliche Stellen bereit.

Habilitationsadäquate wissenschaftliche Leistungen können auch ohne förmliches Verfahren, zum Beispiel über eine wissenschaftliche Tätigkeit außerhalb der Hochschule nachgewiesen werden. Vor allem in den Ingenieurwissenschaften ist eine Stelle in der forschenden Industrie ein erfolgversprechender Weg zur Universitätsprofessur. Hier gehen traditionell viele Berufungen an promovierte Ingenieure, die in Unternehmen forschen und arbeiten. Eine gute Voraussetzung ist die Arbeit in einem Unternehmen auch für die Berufung auf eine Fachhochschulprofessur.

Eine Alternative: Die Fachhochschulprofessur

Neben den Universitäten mit Promotions- und Habilitationsrechten, die sich vor allem der wissenschaftlichen Forschung und Lehre widmen, gibt es in Deutschland sogenannte Fachhochschulen oder Hochschulen für angewandte Wissenschaften mit einer stärker anwendungsorientierten Ausrichtung. Wer eine Professur an einer dieser Hochschulen anstrebt, dem genügen in der Regel eine Promotion sowie einschlägige mehrjährige Berufserfahrung außerhalb der Hochschule.