Matchmaking auf Karrieremessen: Die richtigen Talente finden

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Auf internationalen Karrieremessen treffen viele verschiedene Interessierte aufeinander. Bei Matchmaking-Veranstaltungen bringt „Research in Germany“ Vertreter der deutschen Forschung mit Bewerberinnen und Bewerbern ins Gespräch, deren Profile besonders gut zueinander passen.

Für Saral Baweja war die Sache nach 20 Minuten klar. Zu Beginn war der indische Masterstudent noch etwas nervös, doch die Aufregung legte sich schnell. „Sobald wir anfingen über Chemie zu diskutieren, war die Atmosphäre ausgesprochen konstruktiv und angenehm“, erinnert sich der heute 25-Jährige. Der monatliche Newsletter der DAAD-Außenstelle Neu-Delhi machte ihn auf das Matchmaking-Format aufmerksam: Auf einer Karrieremesse in der indischen Hauptstadt traf er dann Anfang 2017 die deutsche Professorin Evamarie Hey-Hawkins vom Institut für Anorganische Chemie der Universität Leipzig. Schnell entwickelte sich eine angeregte Diskussion zwischen den beiden. Sie blieben in Kontakt und entwickelten gemeinsam ein Forschungsvorhaben. Seit Juli 2018 ist Saral Baweja nun Doktorand im Arbeitskreis Hey-Hawkins und promoviert über ein Thema aus dem Bereich der homogenen Katalyse.

Geplantes Kennenlernen dank Online-Tool

Die Matchmaking-Veranstaltungen des DAAD unterstützen ein systematisches Networking. Im Rahmen von Forschungsmessen oder Delegationsreisen erhalten ausgewählte Ansprechpartner Gelegenheit, intensive Gespräche miteinander zu führen. Schon vor der Veranstaltung können beide Seiten Kontakt über ein Online-Tool aufnehmen, das die Interessen zwischen Besuchern und Ausstellern abgleicht. „Es hilft, sehr klare Vorstellungen davon zu haben, wen genau man sucht oder welche Art der Kooperation man möchte“, sagt Evamarie Hey-Hawkins. Die Chemieprofessorin hat das Format bereits zwei Mal genutzt: Neben der Messe in Indien besuchte sie auch eine von „Research in Germany“ organisierte Doppelveranstaltung in Rumänien und Serbien – in Bukarest und Belgrad. „Die Gesprächspartner wählen sich gegenseitig auf der Basis von Informationen aus, die über das Online-Tool zur Verfügung gestellt werden“, erläutert Hey-Hawkins. „Deshalb sind möglichst konkrete Angaben zu Vorstellungen und Wünschen, aber auch zu Erwartungen, sinnvoll und wichtig, um entsprechende ‚Matches‘ zu finden.“

Die jeweils zwanzigminütigen Gespräche finden in kurzer Abfolge statt. Promovierende, Postdocs oder Hochschulvertreter bieten sich ebenso für Einzelgespräche an wie Vertreter internationaler Einrichtungen. Sowohl Lehrende als auch Vertreter aus Hochschulen und der außeruniversitären Forschung nehmen an den Messen teil und rekrutieren dort (Nachwuchs-)Forschende. Matchmaking-Veranstaltungen bieten daher die Möglichkeit, mit vielen verschiedenen Personen ins Gespräch zu kommen und sehr effektiv Kontakte zu knüpfen. Was Hey-Hawkins besonders schätzt: „Da die Messeauftritte auch immer von Präsentationen zu Förderinstrumenten begleitet werden, hat man so wirklich alles zusammen und kann gegebenenfalls gleich weitere Pläne schmieden.“

Der direkte Vergleich von Bewerbern hilft

Der größte Vorteil des Matchmakings liegt auf der Hand: Auf der Suche nach wissenschaftlichen Talenten lernen Lehrende ihre Bewerber direkt und persönlich kennen. „Da die Gespräche hintereinander erfolgen, haben wir den direkten Vergleich“, betont Hey-Hawkins. „Das ist viel besser als ein Video-Interview zu nutzen.“ Ihre Doktorandin Liridona Useini aus Mazedonien stimmt zu: „Diese Face-to-Face-Interviews sind aufregend und zugleich sehr interessant“, erinnert sie sich. „Man erfährt in den verschiedenen Gesprächen viel über aktuelle Forschungsthemen und hat die Möglichkeit, sich selbst und die eigenen Kompetenzen vorzustellen.“

Auch Useini promoviert seit Oktober 2018 am Institut für Anorganische Chemie in Leipzig. Die junge Chemikerin hatte sich schon vor der Matchmaking-Veranstaltung bei der Arbeitsgruppe von Professorin Hey-Hawkins beworben, bei der Matchmaking-Veranstaltung in Belgrad bot sich dann die Gelegenheit zum persönlichen Gespräch. „Diese Art des Kennenlernens öffnet Türen“, schwärmt die 28-Jährige. Useini und ihr Kommilitone Saral Baweja hatten sich vorher gründlich über ihre Ansprechpartner und deren Arbeit informiert. „Matchmaking ist keine Einbahnstraße“, betont Baweja. „Das Interesse muss von beiden Seiten kommen.“ In Gesprächen mit Teilnehmenden der deutschen Delegation habe er mitbekommen, dass viele Studierende schlecht vorbereitet waren und nur wenig spezifisches Wissen über die Forschung ihrer Gesprächspartner oder die Hochschule mitbrachten. Eine vertane Chance, findet er. „Denn das Konzept, Bewerber mit Wissenschaftlern aus dem eigenen Forschungsbereich zusammenzubringen und so Gemeinsamkeiten herauszufinden, ist einzigartig“, so Baweja. „Es ist schließlich nicht so einfach, einen Professor, der auf einem anderen Kontinent lebt und arbeitet, per E-Mail von den eigenen Ideen und Projekten zu überzeugen.“

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Der Aufwand für Matchmaking lohnt sich

Die meisten Bewerber und Bewerberinnen sind anfangs verständlicherweise nervös. „Deshalb ist es gut, wenn man sie erst einmal über sich und ihren Werdegang erzählen lässt, bevor man weiter ins Detail geht“, rät Professorin Hey-Hawkins. Persönliche wie fachliche Pläne, Ziele und Vorstellungen von Deutschland, vom Forschungsstandort oder dem Bundesland kommen dann im weiteren Verlauf hinzu. „Und natürlich gibt es auch Gelegenheit, mir Fragen zu stellen“, betont die Wissenschaftlerin. Nicht immer werde ihr klar, warum jemand das Gespräch suche und wo die Interessen liegen. Deshalb rät sie Bewerbern, so gezielt und detailliert wie möglich über sich zu informieren. Manchmal eröffnen sich dann auch unerwartete Perspektiven: „Ich hatte viele gute Gespräche mit Interessenten, die fachlich gar nicht zu mir passten, aber durchaus zu Kollegen.“

Ein gelungener Matchmaking-Prozess ist für beide Seiten mit Aufwand verbunden, auch für die deutsche Seite. Das von „Research in Germany“ bereitgestellte Online-Tool will mit möglichst detaillierten Angaben über die eigene Institution und den Fachbereich gefüttert werden, Bewerbungen sind zu sichten und Informationen zu den Hochschulen und Ländern der Bewerber müssen recherchiert werden, bevor eine Auswahl für Gespräche und Begegnungen getroffen werden kann. „Hilfreich war, dass die allgemeinen Informationen auch von anderen Personen eingegeben werden konnten“, berichtet Hey-Hawkins. Außerhalb ihrer eigenen Arbeitsgruppe erhielt die Professorin Unterstützung vom Akademischen Auslandsamt der Universität und dem Studienbüro der Fakultät, das Informationen und Broschüren zu den internationalen englischsprachigen Studiengängen oder allgemein zur Promotion in Deutschland beisteuerte.

Die Teilnahme an den Matchmaking-Veranstaltungen ist grundsätzlich kostenfrei. Sie werden jedoch teilweise im Umfeld von GATE-Germany-Messen organisiert, für die wiederum eine Teilnahmegebühr erhoben wird.

Bereichernde Erfahrung für beide Seiten

Ihr Ziel hat Evamarie Hey-Hawkins auf beiden Matchmaking-Veranstaltungen erreicht: „Mir ging es darum, Werbung für die Universität Leipzig zu machen, insbesondere natürlich für meine Fakultät, aber auch für mein Institut und meinen Arbeitskreis, und exzellente Mitarbeiter zu gewinnen“, erklärt die Professorin. Sowohl in Indien als auch in Rumänien und Serbien war sie mit dem Verlauf der meisten Gespräche sehr zufrieden. „Auch für Interessenten sind Matchmakings eine ausgezeichnete Gelegenheit um zu lernen, wie man sich am besten präsentiert“, stellt sie fest. „Selbst dann, wenn letztlich kein Stellenangebot dabei herauskommt.“ Die erfahrene Professorin merkt recht schnell, ob ihr Gegenüber gut in ihr Team passt. Weltoffenheit, Toleranz, Begeisterung für Chemie und interdisziplinäres Arbeiten, die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen – diese Kriterien beeinflussen ihre Entscheidung maßgeblich mit. „Wenn ich im Gespräch sehe, dass das mit ausgezeichneten fachlichen Kenntnissen Hand in Hand geht – dann bin ich vollends begeistert.“

Autorin: Gunda Achterhold