Taiwan

Taiwan hat in den letzten drei Jahrzehnten den Ausbau seines Hochschulsektors und Forschungssystems zielgerichtet und mit hohen Investitionen vorangetrieben. Exzellenz, Internationalisierung und Innovation sind hierbei vor allem in den letzten 15 Jahren in den Fokus gerückt.

Heute ist das Land ein Forschungs- und Hochtechnologiestandort, der für das internationale Hochschul- und Forschungsmarketing deutscher Institutionen vielfältige Potenziale bietet. Taiwan hat sich innerhalb einer Generation von einem agrarisch geprägten Land zu einer der größten technologiebasierten Volkswirtschaften gewandelt. Mit 23,5 Mio. Einwohnern und einem BIP von 523,6 Mrd. US$ (2015) nimmt Taiwan gegenwärtig den 25. Platz unter den Volkswirtschaften der Welt und den 15. Platz unter den Handelsnationen ein. Der kürzlich veröffentlichte „Global Competitiveness Report“ zeigt zudem deutlich, dass Taiwan (Platz 14) sich zu einem Standort mit hoher Innovationskraft und einem leistungsfähigen Player in F&E entwickelt hat.

Mit der rasanten wirtschaftlichen Entwicklung Taiwans geht seit mehr als drei Jahrzehnten ein quantitativer wie qualitativer Ausbau des Hochschulsektors einher. Mittlerweile zählt Taiwan 158 Hochschulen mit circa 1,33 Mio. Studierenden (2015). Die kontinuierlich hohen Investitionen in den Bildungsbereich, im Jahr 2015 betrug der Anteil der Bildungsausgaben am BIP 5,08%, und die strategische Entwicklung haben vor allem in den letzten 10 Jahren zu einem Qualitätssprung geführt. Mittlerweile beträgt der Anteil der promovierten Hochschullehrer mehr als 88%. Dabei hat der Großteil der Professoren seinen Doktortitel im Ausland erworben.

Bereits 2006 hat Taiwan eine Exzellenzinitiative ins Leben gerufen. Bis Ende 2016 fließen insgesamt 1,25 Mrd. Euro in Forschung, Internationalisierungsprojekte sowie Infrastruktur. Ziel ist es, die internationale Sichtbarkeit sowie Konkurrenzfähigkeit der eigenen Hochschulen zu steigern bzw. zu stärken. Die Zielmarke von 150.000 internationalen Studierenden im Jahr 2020 zeigt deutlich die ambitionierten Pläne im Bereich der Internationalisierung. Internationale Mobilität und Kooperationen werden derzeit mit zahlreichen Programmen durch die öffentliche Hand gefördert.

Zeitgleich hat sich Taiwan zu einem Hochtechnologiestandort entwickelt, der heute im weltweiten Vergleich im Bereich F&E vordere Plätze einnimmt. Allein im Jahr 2014 betrugen die Forschungsausgaben 14.65 Mrd.US$. Dies entspricht 3% des BIP. Mit der Academia Sinica und dem Industrial Technology Research Institut werden bedeutende staatliche Forschungsinstitutionen sowohl in der Grundlagenforschung als auch in der angewandten Forschung unterhalten. Der bereits 1980 gegründete Hsin-chu Science Park im Norden des Landes gilt als das Silicon Valley Taiwans und ist einer der weltweit leistungsfähigsten High-Tech Cluster. Die Leistungsfähigkeit Taiwans im F&E Sektor belegen nicht zuletzt die zahlreichen F&E Ableger internationaler Firmen. So haben unter anderem Evonik Industries, Bosch, Merck und Linde in den letzten Jahren F&E Abteilungen in Taiwan aufgebaut.

Sowohl im Hochschul- als auch im Forschungsbereich ist Europa in den letzten Jahren stärker ins Blickfeld gerückt

Bereits seit 2003 unterstützt die taiwanesische Regierung die Beteiligung in den EU Forschungsprogrammen. Während die Zahl der taiwanesischen Studierenden in den USA sich in den vergangenen Jahren mehr als halbiert hat, wachsen die Mobilitätszahlen in Richtung Europa kontinuierlich. So studierten in Deutschland im Jahr 2015 mehr als 1.400 Taiwaner.

Das große Interesse an Europa wurde auch im Rahmen der diesjährigen 15. European Education Fair Taiwan (EEFT) mit knapp 6.000 Besuchern in Taipei und mehr als 2.000 in Taichung sichtbar. Die 11 deutschen Hochschulen, Hochschulverbünde und Sprachkursanbieter, die ihre vielfältigen und differenzierten Angebote auf der EEFT unter dem Dach von „Study in Germany“ präsentierten, waren von der großen Nachfrage und hohen Qualität der Besucheranfragen beeindruckt, ebenso wie von der Zielfokussierung der Besucher. Dabei spielt neben der Rekrutierung von Studierenden der Aufbau von Kooperation (bi- und multilateral) bzw. die Vertiefung bestehender Kooperationen eine immer größere Rolle.

Zahlreiche Beratungsgespräche zum Thema Promotion in Deutschland sowie zwei gut besuchte Veranstaltungen, die von „Research im Germany“ gemeinsam mit den deutschen Hochschulen anlässlich der Messe organisiert wurden, zeigen, dass auch im Bereich des Forschungsmarketings hohes Potenzial besteht.

Forschungsstarke Hochschulen, mobile Studierende, gezielte Förderung von Auslandsstudium und internationale Forschungskooperation, renommierte Institute in der Grundlagenforschung sowie angewandten Forschung, mehr als eingeschriebene 170.000 Masteranden und 29.000 Doktoranden: Taiwan bietet vielfältige Chancen und Ansatzpunkte für das internationale Hochschul- und Forschungsmarketing deutscher Institutionen.

Sie sind an Taiwan interessiert?

Weitere Informationen zum Hochschul- und Forschungsmarkt finden Sie in der GATE Schriftenreihe Hochschulmärkte „Die Bildungsmärkte von Singapur, Hongkong und Taiwan“ sowie im DAAD Ländersachstand.

Gerne unterstützt Sie auch das DAAD-Informationszentrum Taipei mit weiteren Informationen.

Stand: Dezember 2016

Autorin: Dr. Katja Lasch