Forschungsmarkt Australien

Innovation und Internationalisierung – unter diesen Schlagworten treibt Australien die Entwicklung seines Forschungssystems derzeit voran. Internationale Kooperation, Austausch von wissenschaftlichem Personal und Ausbau von globalen Netzwerken stehen auf der politischen Agenda und werden finanziell unterstützt. Somit eröffnen sich neue Möglichkeiten auch für das internationale Hochschul- und Forschungsmarketing deutscher Institutionen.

Rekrutierung und Kommerzialisierung diese beiden Schlagworte standen für die Internationalisierung der australischen Hochschulen in den letzten drei Jahrzehnten. Mit fast 300.000 internationalen Studierenden hat sich Australien weltweit zum Bildungsanbieter Nummer drei im tertiären Sektor entwickelt. Die internationalen Studierenden, die großteils aus dem asiatisch-pazifischen Raum stammen, tragen mit ihren Studiengebühren dazu bei, dass internationale Bildung mit 22 Milliarden USD (2016) nach Kohle und Stahl der drittgrößte Exportfaktor der australischen Wirtschaft ist.

Die internationale Rekrutierung steht weiterhin im Zentrum der Internationalisierung australischer Universitäten. Dennoch ist zu beobachten, dass zunehmend mehr Institutionen ihren Blick auf Internationalisierung weiten und ihre internationalen Aktivitäten breiter aufstellen. Dieser Trend findet sich in der 2016 erstmals verabschiedeten nationalen Strategie für Internationalisierung (National Strategy for International Education 2025) wieder. Neben der Erhöhung des Marktanteils im Segment internationale mobile Studierende wird auch der Ausbau von Kooperationen und Partnerschaften als Ziel definiert.

Somit ergeben sich neue Kooperationspotenziale. Der DAAD konnte beispielsweise ein zunächst mit der Group of Eight (den acht wichtigsten australischen Universitäten) initiiertes kofinanziertes Austauschprogramm für Forschungsmobilität (Programme des Projektbezogenen Personenaustauschs – PPP) im Jahr 2015 auf alle 39 australischen Universitäten ausdehnen. Unmittelbar nach dem Abschluss des Abkommens mit Universities Australia verdoppelte sich die Anzahl der Anträge sowie geförderten Projekte. Dies zeugt vom hohen Interesse australischer Hochschulen an der Zusammenarbeit mit deutschen Hochschulen.

Beispielhaft für die verstärkten Internationalisierungsbestrebungen mit Europa ist auch eine Initiative der University of Melbourne. Diese hat in Berlin einen European Business Development Manager platziert, um die Vernetzung und gemeinsame Projekte mit forschungsstarken europäischen Hochschulen wie außeruniversitären Forschungsinstitutionen voranzutreiben.

Auffällig ist, dass sich die Bestrebungen der australischen Hochschulen um mehr internationale Partnerschaften derzeit vor allem auf den Forschungsbereich konzentriert.

Die Verstärkung internationaler Netzwerke sowie Innovation sind zwei Themen, welche die Entwicklungen in der gesamten australischen Forschungslandschaft momentan stark prägen. Die Politik hat in den letzten Jahren einen Strukturwandel der australischen Forschung forciert: weg von Grundlagenforschung hin zu angewandter Forschung und kommerzieller Verwertbarkeit von Forschungsergebnissen. Die Zusammenarbeit von Forschung und Wirtschaft steht im Zentrum des Interesses, so flossen allein im Jahr 2017 rund 32% der staatlichen Ausgaben für Forschung und Entwicklung in diesen Bereich. Neben dem Forschungsgebiet Gesundheit wurden als Zukunftsthemen Produktionstechnologien, Ernährung und Agrarwirtschaft, Medizintechnik und Pharmazie, Bergbauausrüstung, -technologie und –dienstleistungen sowie Öl, Gas und Energieressourcen definiert. Diese Forschungsbereiche haben, trotz sinkender staatlicher Forschungsausgaben, Mittelaufwuchs zu verzeichnen. Vor allem in die Gesundheitsforschung fließen derzeit umfangreiche öffentliche Fördermittel, die im Medical Research Future Fund (MRFF) mit einem Fördervolumen von 15,8 Milliarden USD bis in das Jahr 2021 gebündelt werden.  

Das Thema internationale Kooperation in Forschung und Entwicklung findet sich in allen entscheidenden Strategiedokumenten wieder. So hat der Australische Forschungsrat (Australien Research Council) seine eigene Internationalisierungsstrategie überarbeitet und die australische Regierung eine Global Innovation Strategy verabschiedet. In beiden wird die Intensivierung der Kooperation mit anderen Ländern im FuE-Bereich als klares Ziel formuliert. Die in den Strategiepapieren festgehaltenen Ziele werden zudem mit konkreten Fördermaßnahmen unterfüttert. Zum Beispiel unterstützt Programm Global Innovation Linkages Wissenschaftler an öffentlichen Forschungseinrichtungen sowie in Unternehmen beim internationalen Kooperationsaufbau.

Das hohe Interesse an internationaler Forschungskooperation auf australischer Seite, hier vor allem in den Bereichen angewandte Forschung sowie Industrieforschung, bietet den deutschen Institutionen sehr gute Möglichkeiten Kooperationen zu vertiefen und neue Vorhaben anzustoßen. Sie können hierbei von der Reputation des deutschen Forschungsstandortes in Australien profitieren.  Deutschland ist bereits jetzt wichtiger Kooperationspartner und nimmt hinter den USA und Großbritannien Platz drei in der Forschungszusammenarbeit ein. Politischen Rückenwind erhalten die bilateralen Wissenschaftsbeziehungen durch die deutsch-australische Beratergruppe, die von beiden Regierungen 2015 offiziell eingesetzt wurde. Ende 2016 sprach diese konkrete Empfehlungen für die Intensivierung der deutsch-australischen Zusammenarbeit im Bereich Bildung, Forschung und Innovation aus.

Auch bei der Rekrutierung internationaler Wissenschaftler ergeben sich mit den geänderten Visabestimmungen in Australien Chancen für das Forschungsmarketing deutscher Institutionen. Bislang erhielten internationale Postdocs in der Regel Arbeitsverträge über zwei bis drei Jahre und konnten mit diesen direkt den ständigen Wohnsitz beantragen (Permanent Residence). Die neuen Bestimmungen sehen nunmehr vor, dass internationale Wissenschaftler erst nach vier Jahren, von denen sie mindestens drei Jahre angestellt sein müssen, einen ständigen Wohnsitz erhalten können. An den Hochschulen Australiens sind zudem für Postdocs mittlerweile Einjahresverträge die Regel. Daher ist zu erwarten, dass es für internationale Wissenschaftler schwieriger wird, eine langfristige akademische Karriere in Australien aufzubauen. Andere Forschungsstandorte gewinnen daher für internationale Nachwuchswissenschaftler, die sich in Australien aufhalten, an Attraktivität. Eine Chance, welche die deutsche Forschung für sich nutzen sollte.

Auch bei der Rekrutierung internationaler Wissenschaftler ergeben sich mit den geänderten Visabestimmungen in Australien Chancen für das Forschungsmarketing deutscher Institutionen. Bislang erhielten internationale Postdocs in der Regel Arbeitsverträge über zwei bis drei Jahre und konnten mit diesen direkt den ständigen Wohnsitz beantragen (Permanent Residence). Die neuen Bestimmungen sehen nunmehr vor, dass internationale Wissenschaftler erst nach vier Jahren, von denen sie mindestens drei Jahre angestellt sein müssen, einen ständigen Wohnsitz erhalten können. An den Hochschulen Australiens sind zudem für Postdocs mittlerweile Einjahresverträge die Regel. Daher ist zu erwarten, dass es für internationale Wissenschaftler schwieriger wird, eine langfristige akademische Karriere in Australien aufzubauen. Andere Forschungsstandorte gewinnen daher für internationale Nachwuchswissenschaftler, die sich in Australien aufhalten, an Attraktivität. Eine Chance, welche die deutsche Forschung für sich nutzen sollte.

Stand: Februar 2018

Autorin: Dr. Katja Lasch

Australien-deckblatt

Key findings Australia

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